
Kazuo Ueda, Gouverneur der Bank of Japan (BoJ), bekräftigte am Freitag, dass die Zentralbank die Zinsen weiter anheben werde, da sich die zugrunde liegende Inflation ihrem Ziel von 2 % nähere. Zugleich wies er darauf hin, dass die Finanzierungsbedingungen weiterhin akkommodierend seien.

Ueda erklärte, die Wirtschaftsaktivität und die Preisentwicklung entsprächen weiterhin weitgehend den Prognosen der BoJ. Bei ihrer bevorstehenden Sitzung würden die Währungshüter darüber beraten, ob sie ihre Einschätzung der zugrunde liegenden Inflation anpassen sollten. Er fügte hinzu, Zeitpunkt und Tempo künftiger Zinserhöhungen würden davon abhängen, wie sich Wechselkursbewegungen, die Nachfrage im Zusammenhang mit künstlicher Intelligenz (KI) und die Entwicklungen im Nahen Osten auf die Preise auswirkten.
Der BoJ-Gouverneur hob außerdem hervor, dass einige internationale Währungshüter die KI-getriebene Nachfrage offenbar optimistischer einschätzten, als die japanische Zentralbank erwartet hatte. Die Gespräche in dieser Woche hätten ihr Basisszenario für die Wirtschaft jedoch nicht wesentlich verändert.
Zwischen unserer Einschätzung des Inflationsdrucks durch die KI-Nachfrage und dem, was ich von internationalen Währungshütern gehört habe, bestehen keine großen Unterschiede.
Ich hatte den Eindruck, dass bei diesem Treffen mehr Währungshüter die KI-Nachfrage etwas optimistischer einschätzten, als wir erwartet hatten.
Wir werden die Zinsen weiter anheben, da sich die zugrunde liegende Inflation 2 % nähert und die Finanzierungsbedingungen akkommodierend sind.
Die Wirtschafts- und Preisentwicklung entspricht in etwa unseren Prognosen.
Bei den Treffen in dieser Woche habe ich nichts gehört, das von unserem Basisszenario abweicht.
Bei der bevorstehenden Sitzung werden wir darüber beraten, ob wir unsere Einschätzung, dass sich die zugrunde liegende Inflation 2 % nähert, anpassen sollten.
Über Zeitpunkt und Tempo künftiger Zinserhöhungen werden wir unter Berücksichtigung der Auswirkungen von Wechselkursen, KI-Nachfrage und Entwicklungen im Nahen Osten auf die Preise entscheiden.
Seit unserem Treffen in Asheville hatte ich keinen Kontakt mehr mit US-Finanzminister Bessent.
Da die zugrunde liegende Inflation bereits recht nahe bei 2 % liegt, wird es wichtiger als zuvor, die Inflation im Bereich unseres Zielwerts zu verankern.
Uedas Äußerungen hatten kaum Auswirkungen auf die Finanzmärkte. Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung notierte USD/JPY bei rund 157,95 und damit am Freitag nahezu unverändert.
Die Bank of Japan (BoJ) ist die japanische Zentralbank und legt die Geldpolitik des Landes fest. Ihr Auftrag besteht darin, Banknoten auszugeben und die Währungs- und Geldversorgung zu steuern, um Preisstabilität zu gewährleisten. Dies entspricht einem Inflationsziel von rund 2 %.
Die Bank of Japan schlug 2013 einen ultralockeren geldpolitischen Kurs ein, um die Wirtschaft anzukurbeln und die Inflation in einem Umfeld niedriger Teuerungsraten zu beleben. Ihre Politik basiert auf einer quantitativen und qualitativen Lockerung (QQE), also der Schaffung von Geld zum Kauf von Vermögenswerten wie Staats- oder Unternehmensanleihen, um Liquidität bereitzustellen. Im Jahr 2016 verstärkte die Bank diese Strategie und lockerte ihre Geldpolitik weiter, indem sie zunächst Negativzinsen einführte und anschließend die Rendite zehnjähriger japanischer Staatsanleihen direkt steuerte. Im März 2024 hob die BoJ die Zinsen an und leitete damit faktisch den Ausstieg aus ihrer ultralockeren Geldpolitik ein.
Die massiven geldpolitischen Impulse der Zentralbank führten dazu, dass der Yen gegenüber den wichtigsten anderen Währungen abwertete. Diese Entwicklung verstärkte sich 2022 und 2023, da die geldpolitischen Kurse der Bank of Japan und anderer großer Zentralbanken zunehmend auseinanderliefen. Letztere entschieden sich für kräftige Zinserhöhungen, um die höchsten Inflationsraten seit Jahrzehnten zu bekämpfen. Die Politik der BoJ führte zu einer Ausweitung der Zinsdifferenzen gegenüber anderen Währungen und setzte den Yen unter Druck. Dieser Trend kehrte sich 2024 teilweise um, als die BoJ beschloss, ihren ultralockeren geldpolitischen Kurs aufzugeben.
Ein schwächerer Yen und der sprunghafte Anstieg der weltweiten Energiepreise ließen die Inflation in Japan über das Ziel der BoJ von 2 % steigen. Auch die Aussicht auf steigende Löhne im Land – ein wesentlicher Inflationstreiber – trug zu dieser Entscheidung bei.