
USD/CAD legt nach einer Eröffnung mit einer Abwärtskurslücke leicht zu, bleibt jedoch im Minus und notiert während des asiatischen Handels am Montag bei rund 1,4120. Das Währungspaar bleibt unter Druck, da der US-Dollar (USD) unter den schwindenden Erwartungen einer Zinserhöhung durch die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) im Oktober leidet. Die Marktstimmung änderte sich, nachdem Fed-Chef Kevin Warsh am Freitag bei einer Veranstaltung des Internationalen Währungsfonds erklärt hatte, dass er Zinsentscheidungen nicht vorwegnehme. Dabei gab er keinen klaren Hinweis darauf, ob die Notenbank die kurzfristigen Zinsen bei ihrer bevorstehenden Sitzung am 27. und 28. Oktober anheben oder unverändert lassen wird.

Die Markterwartungen einer Zinserhöhung sind deutlich gesunken. Laut dem CME FedWatch Tool preisen Händler inzwischen eine Wahrscheinlichkeit von nahezu 83,9 % dafür ein, dass die Fed die Zinsen im weiteren Verlauf dieses Monats unverändert lässt. Das ist ein kräftiger Anstieg gegenüber der Wahrscheinlichkeit von 49 %, die noch einen Monat zuvor eingepreist war.
Das Währungspaar USD/CAD könnte zulegen, da der rohstoffabhängige kanadische Dollar (CAD) angesichts niedrigerer Ölpreise unter Druck geraten könnte. Die Rohölpreise gaben nach, nachdem US-Präsident Donald Trump entschieden hatte, wichtige Sanktionen und Zölle gegen Russland auszusetzen. Dieser Schritt dürfte die russischen Treibstoffexporte ankurbeln. Mit der am Freitag unterzeichneten Präsidialverfügung wurden Beschränkungen im Rahmen des Graham Act ausgesetzt. Trump hatte dieses Gesetz erst im vergangenen Monat auf Druck von Abgeordneten unterzeichnet, die Moskau wegen seines Krieges in der Ukraine bestrafen wollten. Außenminister Marco Rubio erklärte, der Präsident werde sich bis zu 60 Tage Zeit nehmen, um die wirtschaftlichen Auswirkungen dieser Ausnahme zu bewerten.
Ökonomen der Royal Bank of Canada zufolge werden die am Montag anstehenden kanadischen Inflationsdaten und die Unternehmensumfrage der Bank of Canada (BoC) zum Geschäftsausblick im dritten Quartal genau auf Hinweise darauf geprüft, dass sich der Preisdruck zunehmend verfestigt. Die Märkte würden „genau auf Anzeichen dafür achten, ob sich der Inflationsdruck durch die anhaltend hohen Energiepreise ausweitet und die gesamte Wirtschaft durchdringt“. Eine solche Entwicklung würde den geldpolitischen Ausblick vor der Zinsentscheidung am 28. Oktober erschweren.
Zu den wichtigsten Einflussfaktoren für den kanadischen Dollar (CAD) zählen das von der Bank of Canada (BoC) festgelegte Zinsniveau, der Preis für Öl als wichtigstes Exportgut Kanadas, die Verfassung der kanadischen Wirtschaft, die Inflation und die Handelsbilanz. Letztere entspricht der Differenz zwischen dem Wert der kanadischen Exporte und dem der Importe. Ein weiterer Faktor ist die Marktstimmung: Investieren Anleger verstärkt in risikoreichere Anlagen (Risk-on) oder suchen sie sichere Häfen (Risk-off)? Eine höhere Risikobereitschaft wirkt sich positiv auf den CAD aus. Da die USA Kanadas größter Handelspartner sind, ist auch die Verfassung der US-Wirtschaft ein wesentlicher Einflussfaktor für den kanadischen Dollar.
Die Bank of Canada (BoC) hat erheblichen Einfluss auf den kanadischen Dollar, indem sie das Zinsniveau festlegt, zu dem sich Banken untereinander Geld leihen können. Dies beeinflusst das allgemeine Zinsniveau. Das Hauptziel der BoC besteht darin, die Inflation durch Zinserhöhungen oder -senkungen bei 1–3 % zu halten. Vergleichsweise höhere Zinsen wirken sich tendenziell positiv auf den CAD aus. Die Bank of Canada kann die Kreditbedingungen auch durch quantitative Lockerung oder Straffung beeinflussen. Erstere belastet den CAD, während Letztere ihn stützt.
Der Ölpreis ist ein wesentlicher Einflussfaktor für den Wert des kanadischen Dollars. Erdöl ist Kanadas wichtigstes Exportgut, weshalb sich der Ölpreis in der Regel unmittelbar auf den Wert des CAD auswirkt. Steigt der Ölpreis, legt üblicherweise auch der CAD zu, da die Gesamtnachfrage nach der Währung zunimmt. Bei einem sinkenden Ölpreis gilt das Gegenteil. Höhere Ölpreise erhöhen zudem tendenziell die Wahrscheinlichkeit eines Handelsbilanzüberschusses, was den CAD ebenfalls stützt.
Traditionell galt Inflation als negativer Faktor für eine Währung, da sie den Geldwert mindert. In der heutigen Zeit ist jedoch mit der Lockerung grenzüberschreitender Kapitalverkehrskontrollen tatsächlich das Gegenteil der Fall. Eine höhere Inflation veranlasst Zentralbanken tendenziell dazu, die Zinsen anzuheben. Dies zieht mehr Kapital von internationalen Anlegern an, die nach einer rentablen Anlagemöglichkeit suchen. Dadurch steigt die Nachfrage nach der Landeswährung, im Falle Kanadas also nach dem kanadischen Dollar.
Veröffentlichte makroökonomische Daten geben Aufschluss über die Verfassung der Wirtschaft und können den kanadischen Dollar beeinflussen. Indikatoren wie das Bruttoinlandsprodukt (BIP), die Einkaufsmanagerindizes für das verarbeitende Gewerbe und den Dienstleistungssektor, Beschäftigungsdaten und Umfragen zum Verbrauchervertrauen können die Kursentwicklung des CAD prägen. Eine starke Wirtschaft ist positiv für den kanadischen Dollar. Sie zieht nicht nur mehr ausländische Investitionen an, sondern kann die Bank of Canada auch zu Zinserhöhungen veranlassen, was die Währung stärkt. Fallen die Konjunkturdaten hingegen schwach aus, dürfte der CAD nachgeben.