WTI-Preisprognose: Weiter unter Druck unterhalb von 100,00 US-Dollar, während Nahost-Sorgen das Abwärtspotenzial begrenzen

  • WTI gibt den zweiten Tag in Folge nach, da Hoffnungen auf eine diplomatische Lösung im Nahen Osten die Versorgungssorgen lindern.
  • Angriffe auf Saudi-Arabien halten die geopolitische Risikoprämie aufrecht und tragen dazu bei, die Verluste der Ölpreise zu begrenzen.
  • Auch die bullische charttechnische Konstellation mahnt zur Vorsicht, bevor Positionen für einen deutlichen Kursrückgang eingegangen werden.

West Texas Intermediate (WTI), die Referenzsorte für US-Rohöl, steht den zweiten Tag in Folge unter leichtem Verkaufsdruck und notiert am Dienstag im asiatischen Handel unter der psychologisch wichtigen Marke von 100,00 US-Dollar. Zugleich bleibt der Rohölpreis in Reichweite des am vergangenen Freitag erreichten Fünfmonatshochs, während Händler auf weitere Entwicklungen in der Nahostkrise warten.

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Der Optimismus hinsichtlich einer möglichen Beilegung des Krieges der USA und Israels gegen den Iran lindert die Befürchtungen über Lieferunterbrechungen etwas und setzt die Rohölpreise unter Druck. Allerdings bleibt die geopolitische Risikoprämie angesichts stockender Gespräche zwischen den USA und dem Iran sowie erneuter Angriffe der vom Iran unterstützten Huthi auf Saudi-Arabien bestehen. Zudem bereitet sich die bewaffnete libanesische Gruppierung Hisbollah Berichten zufolge auf eine mögliche Wiederaufnahme der Kampfhandlungen mit Israel vor. Dies dämpft die Hoffnungen auf eine rasche Stabilisierung der Region und dürfte das Abwärtspotenzial des schwarzen Goldes begrenzen.

Aus charttechnischer Sicht bleibt die kurzfristige Tendenz der Rohölpreise bullisch, solange sie oberhalb des einfachen gleitenden Durchschnitts über 100 Perioden (SMA) im 4-Stunden-Chart sowie sämtlicher wichtiger Fibonacci-Retracement-Unterstützungen zwischen 86,58 und 99,42 US-Dollar liegen. Allerdings ist der Relative-Stärke-Index (RSI) von zuvor überkauften Niveaus auf 50,69 und damit wieder in Richtung des neutralen Bereichs zurückgegangen. Darüber hinaus ist der Moving Average Convergence Divergence (MACD) in den negativen Bereich gerutscht. Dies deutet eher auf eine Konsolidierungsphase als auf eine klare Trendwende innerhalb eines ansonsten weiterhin gestützten Aufwärtstrends hin.

Die unmittelbare Unterstützung liegt unterdessen am 23,6-%-Fibonacci-Retracement bei 99,42 US-Dollar. Darauf folgen das 38,2-%-Retracement bei 96,97 US-Dollar und das 50-%-Niveau bei 94,98 US-Dollar. Diese Marken liegen im Umfeld des 100-Perioden-SMA bei 94,74 US-Dollar und verstärken eine breitere Nachfragezone. Bei stärkeren Rücksetzern rücken das 61,8-%-Retracement bei 93,00 US-Dollar sowie die tieferen Fibonacci-Niveaus bei 90,18 und 86,58 US-Dollar in den Blick. Auf der Oberseite bildet das jüngste Verlaufshoch nahe 103,39 US-Dollar den nächsten wichtigen Widerstand. Diesen müssten die Bullen überwinden, um die seit Monatsbeginn zu beobachtende Rally fortzusetzen.

(Die technische Analyse dieses Artikels wurde mithilfe eines KI-Tools erstellt. Mehr erfahren.)

WTI im 4-Stunden-Chart

Chart Analysis WTI US OIL

Häufig gestellte Fragen zu WTI-Öl

WTI-Öl ist eine Rohölsorte, die an den internationalen Märkten gehandelt wird. WTI steht für West Texas Intermediate und gehört neben Brent und Dubai Crude zu den drei wichtigsten Rohölsorten. Aufgrund seiner vergleichsweise geringen Dichte und seines niedrigen Schwefelgehalts wird WTI auch als „leicht“ beziehungsweise „süß“ bezeichnet. Es gilt als hochwertiges Öl, das sich leicht raffinieren lässt. Es wird in den Vereinigten Staaten gefördert und über den Knotenpunkt Cushing verteilt, der als „Pipeline-Kreuzung der Welt“ gilt. WTI dient als Referenz für den Ölmarkt, und sein Preis wird häufig in den Medien genannt.

Wie bei allen Vermögenswerten sind Angebot und Nachfrage die wichtigsten Einflussfaktoren für den Preis von WTI-Öl. So kann das globale Wirtschaftswachstum die Nachfrage ankurbeln, während ein schwaches Weltwirtschaftswachstum den gegenteiligen Effekt haben kann. Politische Instabilität, Kriege und Sanktionen können das Angebot beeinträchtigen und die Preise beeinflussen. Auch die Entscheidungen der OPEC, eines Zusammenschlusses wichtiger Ölförderländer, sind ein wesentlicher Preistreiber. Der Wert des US-Dollars beeinflusst den WTI-Rohölpreis, da Öl überwiegend in US-Dollar gehandelt wird. Ein schwächerer US-Dollar kann Öl daher erschwinglicher machen, während ein stärkerer US-Dollar den gegenteiligen Effekt hat.

Die wöchentlichen Berichte zu den Öllagerbeständen des American Petroleum Institute (API) und der Energy Information Agency (EIA) beeinflussen den Preis von WTI-Öl. Veränderungen der Lagerbestände spiegeln Schwankungen von Angebot und Nachfrage wider. Zeigen die Daten einen Rückgang der Bestände, kann dies auf eine gestiegene Nachfrage hindeuten und den Ölpreis nach oben treiben. Höhere Lagerbestände können auf ein größeres Angebot hinweisen und die Preise drücken. Der API-Bericht wird jeden Dienstag veröffentlicht, der EIA-Bericht am darauffolgenden Tag. Die Ergebnisse fallen in der Regel ähnlich aus: In 75 % der Fälle weichen sie um höchstens 1 % voneinander ab. Die EIA-Daten gelten als verlässlicher, da die EIA eine Regierungsbehörde ist.

Die OPEC (Organisation erdölexportierender Länder) ist ein Zusammenschluss von zwölf Ölförderländern, die bei ihren zweimal jährlich stattfindenden Treffen gemeinsam Förderquoten für die Mitgliedstaaten festlegen. Ihre Entscheidungen wirken sich häufig auf die WTI-Ölpreise aus. Beschließt die OPEC, die Quoten zu senken, kann dies das Angebot verknappen und die Ölpreise steigen lassen. Erhöht die OPEC die Förderung, hat dies den gegenteiligen Effekt. OPEC+ bezeichnet eine erweiterte Gruppe, zu der zehn weitere Länder gehören, die nicht Mitglied der OPEC sind. Das bedeutendste davon ist Russland.